Am 05.09.2006 wurde ich von der Polizei aus der Jugendpsychiatrie Arnsdorf abgeholt und zusammen mit meinem Betreuer und meiner Betreuerin vom Jugendamt nach Neuendorf am See in die Haasenburg gefahren. Ein heißer Spätsommertag und hätte ich gewusst, dass ich die nächsten Sommertage, bzw. die restlichen Sommertage nicht nach draußen komme, hätte ich die Tage zuvor wohl mehr genossen. Bei meiner Ankunft in der Haasenburg war ein Hilfeplan geplant, weshalb auch meine Betreuer mit fuhren. Die Polizei war zur Sicherheit anwesend, weil ich ständig weg lief und das ich vor der Haasenburg weglaufen würde, was mir schon als harte Einrichtung angekündigt wurde, wäre fast klar gewesen.
Als wir 11 Uhr auf das Gelände der Haasenburg fuhren, kam sofort ein Aufgebot von Erziehern auf mich zu. Überall standen kräftig gebaute Männer, nur eine Frau, welche einen strengen Eindruck machte. Es piepten ständig deren Walky Talkies mit der Durchsage meiner Neuaufnahme. Sofort wurde ich links und rechts am Arm genommen und neben diesen beiden Erziehern liefen hinter mir, vor mir und etwas weiter weg weitere Erzieher. Zeit zum verabschieden blieb keine, meine Tasche blieb vorerst im Auto und am Hilfeplangespräch durfte ich auch nicht teilnehmen. Es ging direkt ins Haus. In einem zügigen Schritt bei dem ich aufgefordert wurde auf den Boden zu gucken. Ich kam mir wie im falschen Film vor!
Regeltreue und Schikane
Das Aufgebot der Erzieher blieb den ganzen Tag bestehen. So auch in der “Käsekammer” wo ich meine Schuhe ausziehen sollte und allein diesen Vorgang dreimal wiederholen musste. Immer wieder sollte ich mir die Schuhe neu anziehen und immer wieder war irgend etwas falsch daran. Innerlich war ich jetzt schon total verzweifelt. Ich zog die Schuhe aus, man guckte mir streng zu und bat mich anschließend die Schuhe wieder anzuziehen um sie danach ordentlich auszuziehen. Irgendwann kam ich dann darauf was die von mir wollten: ich sollte die Schnürsenkel aufmachen, die offenen Schnürsenkel in die Schuhe stecken und die Schuhe dann ordentlich hinstellen. Als das erledigt war, erklärte man mir etwas und dabei lehnte ich an der Wand.
Der nächste Fehler. An der Wand lehnen gibts nicht, die Wand steht von allein und wenn mir das Stehen schwer fiele, würden mir die Erzieher selbstverständlich dabei helfen … Immerzu sollte ich auf alles was man mir sagte mit ja Herr/Frau … antworten. Ich durfte keinen einzigen Schritt allein gehen, jeder Schritt wurde mir gesagt und vorgeschrieben. Dann gingen wir in Gruppe 2, in der ich die nächsten 8,5 Monate bleiben würde. Davon die ersten acht Tage im sogenannten Anti-Aggressionsraum. Mit einem Bett, auf dem die ganze Zeit die Fixiergurte lagen, das Fenster aus Milchglas war und ich den ganzen Tag Regeln, Hausordnung und anderes mit dem kürzesten Bleistift überhaupt mehrmals schreiben musste. Meine Kleidung wurde mir abgenommen. Selbst Unterwäsche und Socken sah ich die nächsten Wochen nicht. Ich musste die Sachen aus der Gemeinschaftswäsche tragen und bekam wie alle Neuaufnahmen und Einzelbetreuten eine rosa Jogginghose plus T-Shirt an.
Kein Eigentum, nicht mal Spiegel
Von Anfang an war man dabei mir deren Regeln einzudrillen. Herr B. und Herr S. standen bei mir im Zimmer und machten mir direkt klar, dass ich jetzt hier sei, weil ich draußen nicht mit meiner Freiheit umgehen konnte und die jetzt alles für mich entscheiden werden, wir bei null anfangen werden und wenn ich denke hier Machtspiele machen zu wollen, die gern bereit wären sich mit mir zu wresteln (ringen). Die Begrüßung mit Herr B. war auch eine enorme Herausforderung wenn man noch nicht mit dem System der Haasenburg vertraut ist. Er kam rein, ich stellte mich sofort in die Mitte des Raumes, wie man es mir schon gesagt hatte, er gab mir die Hand, stellte sich vor und ich sagte Hallo. Auch das musste ich dann mehrmals wiederholen. Richtig ist Guten Tag Herr B. und nichts anderes.
19 Uhr war für mich Nachtruhe. Vorher hatte ich das Vergnügen mit einer Erzieherin auf die Toilette zu gehen und beim Duschen standen sicher drei Erzieher bei angelehnter Tür davor. Auch danach wurde ich hinterher sofort zurechtgewießen weil ich keine Haare gewaschen habe. Vor dem Duschen bekam ich die Ansage, dass ich 10 Minuten für alles Zeit hätte. Sollte ich bis dahin nicht fertig sein, würde man mich raus holen. Waschen durfte ich mich auch nicht mit meiner Kosmetik, sondern mit dem von der Haasenburg. Spiegel gab es auch nicht. Ich sah mich erst in Gruppe 4 wieder selber in die ich nach 8,5 Monaten wechselte.
Von allen Gruppen sind die engmaschigen Bereiche mit Gruppe 2; 3 und 3/1 die schlimmsten. Man darf nichts! Und man hat nichts. Keine persönlichen Sachen, man sieht sich nicht im Spiegel, man darf nicht raus, hat keinen Kontakt zu anderen und auch keinen Kontakt zur Familie. Das ganze Leben ist eingestürzt und ich dachte vom ersten Tag an nur an Selbstmord. Auch weil mir Herr S. versicherte, das sie entscheiden wann ich dort raus komme und das könnte durchaus erst mit 27 sein. Zehn Jahre Haasenburg?!
“Das Ausziehen vor den Erziehern war da noch eher harmlos.”
Immerwieder kam es zu demütigenden Situation in denen ich mich in Grund und Boden schämte. Das nackt ausziehen vor den Erziehern war da noch eher harmlos. Ich denke vielmehr an die Situation als ich abends mit Frau B. eine Diskussion hatte und sie mich anschließend vor das Bad stellte wo ich mich komplett nackt ausziehen musste und sie mit meinen Sachen verschwand. Ich stand also nackt auf dem Flur, vor dem Bad und gegenüber von mir am Ende des Flures war die Überwachungskamera. Frau B. ging und wollte, dass ich über mein Verhalten nachdenke. Nur ab und zu kam sie um mir zu sagen, dass die Arme an die Seite gehören. Ich heulte dermaßen, das irgendwann Herr K. kam, mir meine Sachen gab und mich aufs Zimmer schickte.
Ein anderes mal kam Herr B. beim Duschen rein und meinte auf einmal, dass ich das noch nicht allein könne. Es war schrecklich. Ebenso, dass ich nur in Unterhose nachts schlafen durfte und morgens dann vor mehreren männlichen Erziehern den Flur entlang ins Bad laufen musste und man meine Figur kommentierte. Alle halben Meter stand ein Erzieher zu dem ich gehen musste, direkt zum Bad durchzulaufen war nicht möglich. Und auch an der Badtür musste ich klopfen und meinen Namen sagen und fragen, ob ich rein darf. Das war immer so: Klopfen und den Namen sagen. Bei allem was man wollte und wohin man wollte. Hatte man ein Frage, musste man fragen, ob man eine Frage stellen durfte und manche Erzieher machten sich daraus einen Spaß, indem sie sagten “Jetzt hast du mich ja schon etwas gefragt” und gingen wieder.
Sport in Holzschuhen
Die erste Zeit musste ich immer in Warnweste und schweren Holzschuhen im Hof zehn Minuten rennen. Dabei durfte ich mich nicht umsehen – nur rennen, egal wie. Bei jeder beendeten Runde musste ich die Zahl laut rufen. Im Hof und drum herum standen auch wieder immer Erzieher und passten auf. Ende September durfte ich mir Chips verdienen, um sie mal einzulösen und PMR (progressive Muskelrelaxation) mitmachen. Von nun an ging es in kleinen Schritten vorwärts. Weihnachten kam, aber wir durften die Geschenke von unseren Eltern nur angucken, dann wurden sie wieder weggeräumt bis man sie sich verdient hatte. Anfang Januar dann meine erste Rückstufung, weil ich angeblich gelogen hätte. Komplett auf null. Für mich ein Grund sich selbst zu verletzen.
Nach acht Tagen flog es auf und Herr K. und Frau P. fuhren abends mit mir nach Lübben ins Krankenhaus. Wieder hielt man mich links und rechts am Arm. Und hier ist der Anfang meiner “Rettung” die noch weitere anderthalb Jahre auf sich warten ließ. Ich musste operiert werden, lag eine Woche im Krankenhaus wo immer ein Erzieher dabei war. Die Ärzte schlugen mir immerzu eine Therapie vor. Sie fanden, dass die Haasenburg nicht das richtige für mich sei. Die Erzieher wollten das nicht hören und bald fanden solche Gespräche mit den Ärzten nicht mehr statt.
In der Haasenburg musste ich dann wieder von vorn anfangen. Und manipulierte an meiner Wunde. Ich wollte zurück ins Krankenhaus, wo alle sehr nett zu mir gewesen waren und wo ich mich sicher fühlte. Und ich wollte diese Therapie von der sie mir dort erzählt hatten. Mein Arm heilte nicht. Von nun an waren wir alle zwei Tage in Lübben in der Klinik. Immer wieder musste ich operiert werden und mindestens zwei Wochen stationär bleiben. Ich verletzte mich, aber gab es nicht zu, sondern tat auch betroffen über die angeblich schlechte Wundheilung. Die Erzieher glaubten das, fühlten die sich uns doch immer überlegen und hielten es für ausgeschlossen, dass so etwas wie Selbstverletzung in der Haasenburg überhaupt möglich sei.
Doch die Ärzte waren nicht so naiv. Sie schützten mich, bestanden darauf, dass die Erzieher nicht bei den Behandlungen anwesend waren und drohten mit der Schließung der Einrichtung, sollten sie mich nicht wieder bringen. Dazu kam es eine Zeit lang – Haasenburg entschied, wann medizinische Hilfe notwendig ist. So kam es 2007 zu einer Sepsis und da musste Herr S. unterschreiben, dass er mich von nun an bei jeder kleinen Verschlechterung in die Klinik bringen würde. Bald überwies man mich nach Berlin ins Unfallkrankenhaus und dort waren die Ärzte so engagiert, dass sie alles mögliche unternahmen, um mich aus dieser Einrichtung raus zu holen.
Erste Hilfe
Die Ärzte waren schockiert über das Verhalten der Erzieher mir gegenüber. Sie schalteten das Gericht ein, ich durfte heimlich mit dem Gericht sprechen; man “versteckte” mich im Dienstzimmer und “verschleppte” mich mit Hilfe eines Tricks in die Psychiatrie, wo ein involvierter Kollege mir von seiner Station besser hätte helfen können, aus der Haasenburg zu entkommen. Das war die erste Flucht vor der Haasenburg. Sie gelang mir nur mit Hilfe der Ärzte, mit denen ich heute noch im Kontakt bin. Es war das erste Mal, dass die Erzieher der Haasenburg nicht wussten, wo ich war. Man hielt mich versteckt. Und hätte ich keinen Betreuer gehabt, der Haasenburg regelrecht vergöttert, wäre diese Flucht wohl auch ganz professionell gelungen.
Leider fand ich mich drei Tage später wieder in der Haasenburg. Seltsamerweise ohne Strafe. Mittlerweile in Gruppe 4, ging alles weiter wie bisher. Nur dass ich den Arm nicht heilen ließ und mit Mareike und Isabell neue Pläne schmiedete. Eins war klar: Ich musste auf jeden Fall wieder ins Krankenhaus. Der Plan war, das Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung einzuschalten. Ebenaflls waren die Ärzte der Klinik noch in Kontakt mit dem Gericht. In der Haasenburg hielt ich es nicht länger aus und ich hätte mir auch den Arm abgehakt wenn das der Weg nach draußen gewesen wäre.
Herr F. tyrannisierte vor allem uns Mädchen, indem er unsere Figur kommentierte, uns anbrüllte und behandelte, als wären wir bei der Armee. Er war derjenige der in Gruppe 2 einen Schlüssel über den Gang warf, weil ein Junge nicht an die Wand guckte, als ich als Neuaufnahme vorbei kam. Bei Neuaufnahmen hatte man grundsätzlich mit dem Gesicht zur Wand zu stehen. Das heißt “Einzelbetreuung”! Am Fenster stehen und rausgucken verstößt auch gegen die Einzelbetreuung. Nach dem Klopfen an der Tür stehen zu bleiben auch. Unser Platz war in der Mitte des Raumes. Wenn ein Erzieher den Raum betrat, stand man hektisch auf, stellte den Stuhl ran und begrüßte sofort den Erzieher. Und so weiter. Diese Regeln haben kein Ende. Morgens sagt man seine Verhaltenspunkte an und in der Schule beim Appell nennt man drei Schulregeln, die identisch mit den Gruppenregeln sind. Im Prinzip hatten die Tage in der Haasenburg kein Ende. Es hörte nie auf.
Nach einem dreiviertel Jahr in Gruppe 4 wechselte ich in Gruppe 16. Auch dort warteten Erzieher nur darauf ihre Macht auszuleben. Herr T. machte aus seinem Rassismus kein Geheimnis, was mir für meine Freundin Isabell oft leid tat, denn sie ist schwarz. Weil Isabell und ich uns so gut verstanden, wurden wir getrennt. Genauso wie Mareike und ich. Zu Julia hatte ich sogar komplettes Kontaktverbot. Das machte zusätzlich einsam. Telefonate zu den Eltern wurden mit gehört und man hatte nur strenge drei Minuten Zeit. Briefe wurden vor dem Abschicken gelesen. Bei Besuchen und Terminen war stets ein Erzieher mit anwesend. Immer wieder hörte man entsetzliche Schreie, weil irgend jemand körperlich begrenzt wurde. Einmal zugesehen und man vergisst das Bild nie wieder. Schon gar nicht die Schreie. Bei mir kam es nie dazu, aber es gab Erzieher die mir immer wieder sagten, das die mich auch noch so weit kriegen und ich dann diejenige bin die auf dem Boden liegt und vor Schmerzen winselt. Aber dazu kam es nie! Ich hatte sehr viel Einzelbetreuung, Rückstufungen und musste viele Verhaltensanalysen schreiben, aber mehr auch nicht.
“Ohne diese Hoffnung hätte ich es nicht überlebt.”
Herr T. zwang mich vor ihm meine Hose auszuziehen. Mich nackt zu machen, er guckte, ich zog mich wieder an und dachte nur daran, das meine Ärzte hoffentlich bald etwas erreichen. Ohne diese Hoffnung hätte ich es nicht überlebt. Man drohte mir, mich nach 27 nach Teupitz in die Forensik zu stecken, obwohl ich keine einzige Vorstrafe habe, aber ich wusste meine Ärzte regeln das hier schon und dann werde ich noch nicht mal bis 27 hier bleiben. Als in der ersten Zeit im UKB (Unfallkrankenhaus Berlin) die Erzieher noch dabei waren, vereinbarten wir sogar, dass wenn was ist, ich im Bad klingeln soll und man die Erzieher dann sofort rausschicken würde, um mir zu helfen. Ich war also nicht wirklich allein mit der Haasenburg. Ich hatte Unterstützung! Das war stark!
Weil Isabell heimlich an Tampons kam, wurden wir von dem Moment an kontrolliert ob wir überhaupt unsere Tage hätten, bevor wir Hygieneartikel oder eine Schmerztablette bekamen. Überall Kontrolle. Und wir Mädchen sollten auch die Pille nehmen, wozu ist fraglich, aber ich weigerte mich strikt. Ich lies diese Eingriffe in meine Persönlichkeit nicht erdulden. Und ich arbeitete weiterhin unter der Hand gegen die Erzieher. Ich telefonierte heimlich, geschützt von drei Ärzten, im UKB mit dem Gericht. Es wurde eine Anhörung veranlasst mit einem Richter der für und nicht gegen mich war. Ich fand eine Mitpatientin in der Klinik die auch nach meiner Klinikentlassung die verbliebenen Wege für mich erledigte. Das war alles möglich, weil das UKB die Anwesenheit der Erzieher nicht weiter duldete.
Ich blieb also allein und konnte gemütlich meine “Rettung” in Angriff nehmen. Mitpatienten stellten mir deren Telefon zur Verfügung wo ich meine Eltern anrufen konnte. Bei jeder Sanktion und bei allem was war, hieß es immer das meine Eltern damit einverstanden wären und meine Eltern auch gesagt hätten, dass ich nichts anderes verdient hätte. Bei den Telefonaten wollte ich mich vom Gegenteil überzeugen, auch wenn es nicht ganz klappte. Meine Eltern hatte man genauso bearbeitet. Zumindest meine Mutter. Mein Vater hatte damals schon “hier sind Fehler tödlich” gesagt, als er die ersten Kontakte mit der Haasenburg hinter sich gebracht hatte. Und bei Elternbesuchen legte er Wert darauf, mal mit mir allein zu sein, was gerade in Begleitung von Herr S. unmöglich war.
Big Brother is watching you!
Bei ihm wird vorher schon immer abgesprochen was und wieviel man essen darf, wann man auf die Toilette geht, was man anzieht. Er schlug mir auf die Hand als ich aus Versehen am verkehrten Waschbecken war. Bei allem was man falsch oder nicht machte, hieß es “dann helfen wir dir” und das war natürlich nicht gerade sanft. Im UKB war alles anders – ich konnte essen bis ich satt war und nicht weil ich mit einem BMI von 22 strenge Reduktionskost hatte und essen musste wie ein Spatz. Ich konnte Tagebuch schreiben, ohne dass es jemand las. Alleine aufs Klo und duschen gehen, mich über “draußen” informieren, denn von der Außenwelt war man in der Haasenburg komplett abgeschieden. Ich konnte einfach leben! Mittlerweile fühlte ich mich in der Klinik Zuhause.
Die Anhörung fand dann in der Haasenburg statt. Frau S. fiel es schwer mich auf Wunsch des Richters allein zu lassen. Sie wirkte sehr misstrauisch. Der Richter machte alle Fenster zu und forderte mich auf leise zu reden. Das war die endgültige Geburt meiner Befreiung. Der Richter war auf der Seite von mir und den Ärzten. Ich kam raus. Nach kurzer Zeit wurde ich endlich entlassen. Am 23.8.2008 verlies ich zum letzten Mal das Grundstück der Haasenburg mit der Durchsage meiner Entlassung aus den Lautsprechern. Aber noch heute fühle ich mich von Grund auf erschöpft, kaputt, müde. Ich habe meine gesamten Kräfte die ich damals hatte in die Befreiung gesteckt, sonst wäre ich wohl noch heute dort, denn 27 bin ich noch nicht. Vielleicht werde ich mich erst mit 27 wirklich frei fühlen. Heute habe ich bei jedem Gang auf die Straße Angst, dass sie mich wieder holen. Ich gehe nicht arbeiten, ich habe keine Freunde mehr, sondern lebe zurückgezogen; ich habe 25 Operationen und vier Hauttransplantationen hinter mir plus Sepsis und ich traue bis heute keiner einzigen Institution mehr, was eine Ausbildung oder dergleichen unmöglich macht. Ich frage mich, ob dass das Ziel der Haasenburg war. Ich habe eine Posttraumatische Belastungsstörung auf Grund der Haasenburg und konnte bis heute keine Traumatherapie machen, weil ich mich nach wie vor nicht soweit erholt habe um stabil für so etwas zu sein. Und ich kann es bis heute nicht lassen, mich selbst massiv zu verletzen, weil ich mich unbewusst immer noch zu retten versuche und denke, dass ich, wenn ich mich nicht verletze, wieder in die Haasenburg muss. Das ist das Ergebnis von zwei Jahren Haasenburg. Ich habe mein Leben dort verloren und vergessen! Bezahlt vom Jugendamt!
Nachtrag 28.11.2021:
Auch wenn ich dachte, dass es unnötig war:
Der Beitrag hier stammt von einer Person, die von 2006 bis 2008 in der Haasenburg war, ich selbst war von 2003 bis 2006 in der Haasenburg. Ich verhalf dieser extrem wichtigen Geschichte, die exemplarisch für uns stand, da viele ähnliche Erfahrungen gemacht haben, zu etwas mehr Reichweite da dieser Blog häufiger gelesen wurde.
Als Zusatz für alle, für die das Offensichtliche nicht offensichtlich war.
Autor wünschte damals anonym zu bleiben.
Dienstag, 27. August 2013
Enteignung, Entmachtung und Selbstverlust
weitere Rückfragen melden sie sich unter: Sanchez.Sun90@gmail.com
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2 Kommentare:
Ich bin zutiefst erschüttert diesen Bericht zu lesen. Noch ein Grund mehr, dass wir unser Projekt Freedom (http://www.andre-kellner.de/privatkunden/traumatherapie-münchen/trauma-projekte/)
für ehemalige Haasenburg-Überlebende voranbringen. Ich hoffe, Du hast inzwischen Unterstützung bekommen? Falls nicht, dann melde Dich doch bitte. Du brauchst dringend eine Traumatherapie und Unterstützung. Herzliche Grüße. Dipl.-Psych. André Kellner
Ich wünsche ihnen viel Erfolg mit ihrem Vorhaben..
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